Risiko - Buchtipp

Spannende Story aus der Zeit des 1. Weltkriegs

Beim Anblick dieses Buchtitels musste ich zuerst an das Brettspiel denken, das wir früher so viele Stunden voller Begeisterung gespielt hatten. Darin geht es um eine Karte der Welt, eingeteilt in Regionen, Länder, Erdteile und es geht natürlich um die Weltherrschaft. Die zu Beginn verteilten Länderkarten und das Würfelglück spielen eine wichtige Rolle, die Strategie eine kleinere.

Ich ahnte nicht, dass das Spiel im Buch eine wichtige Rolle einnimmt. Der Held des Romans, der Funker Sebastian Stichnote, entwickelt ein besonderes Verständnis für Strategie und wird zu einem Meister des Großen Spiels. Ob in Istanbul oder in Kabul, stets schafft es der kleine Funker, dem Geschehen mit dem Spiel eine Wendung zu geben.

Abenteuer und Geschichte intelligent verwoben

Die Handlung beginnt kurz vor Ausbruch des ersten Weltkriegs. Funker Stichnote befindet sich auf dem Schlachtschiff „Breslau“, einem „der kleineren, aber dafür das schnellste. 28 Knoten. Die Argo ihrer Tage“. Die Breslau gab es wirklich und die Goeben, die beide mit einer furiosen Flucht vor der britischen Mittelmeerflotte schließlich in Istanbul landeten und dort Teil der ansonsten nicht existenten türkischen Flotte wurden. Ab da hieß die Breslau „Midilli“. In Istanbul wird Stichnote Teil einer Geheimexpedition des Deutschen Reichs. Quer durch Irak, den Iran nach Kabul zu ziehen, um dem Emir von Afghanistan zum Angriff auf Britisch-Indien zu bewegen.

Die Expedition nach Afghanistan

Kopetzky mischt gekonnt reelle Ereignisse aus dem Weltkrieg mit seiner Geschichte des Funkers Stichnote zu einem opulenten Gemälde. Max von Oppenheim, der Orientalist und im Ersten Weltkrieg im Auswärtigen Amt der „Erfinder“ des Plans, mit Afghanistan eine zweite Front für die Briten zu eröffnen, schickte die Niedermayer-Hentig-Expedition auf den Weg. Die erreichte Kabul 1915, wurde zuerst in einer Art Hausarrest gehalten, ehe förmliche diplomatische Beziehungen aufgenommen wurden. Die heute noch existierende Verbundenheit zwischen Kabul und Berlin hat ihren Anfang in dieser Expedition.

Das Buch liest sich wunderbar, es entwickelt einen Sog und ich mochte das Taschenbuch kaum aus der Hand legen, bis die 727 Seiten ausgelesen waren. Die vielen Anspielungen machen neugierig und man schaut ein wenig nach: War Camus‘ Vater wirklich Kellermeister? Wie gestaltete sich die Flucht der „Breslau“? Selbst das Kohleaufnehmen in Brindisi ist wirklich geschehen. Unbedingt lesen, zumal auch noch eine wunderbare Liebesgeschichte Platz findet.


Steffen Kopetzky: Risiko


Gebunden bei Klett-Cotta
als Taschenbuch bei Heyne, 2016

Umfangreiche Rezension beim Deutschlandfunk