Ein Slawenapostel in Ellwangen

Die Suche nach einem ruhigen Platz fürs Eisessen in Ellwangen wurde zur Zeitreise in Sachen kirchlicher Machtpolitik.

Byzantinisches Kreuz
Byzantinisches Kreuz

Die Eiswaffel in der Hand bin ich auf der Suche nach einem schattigen, ruhigen Sitzplatz in Ellwangens Zentrum. Schnell die Marienstraße verlassen, in die Adelberger Gasse hinein und bald zeigt sich eine kleine Kirche mit einem byzantinischem Kreuz. Dort findet sich unter alten Efeuranken eine Bank. Hier lässt sich gut Eis essen und zugleich lernen, dass Machtpolitik vor über 1100 Jahren auch nicht viel anders war als heutzutage.

Mächtigen Bistümern in die Quere gekommen

Aber was macht eine orthodoxe Stätte in einem der alten Befestigungstürme von Ellwangens Stadtmauer? Gewidmet dem Heiligen Methodius? Eine Tafel weist darauf hin, dass sich der Gottesmann vermutlich eine Zeitlang in Ellwangen aufhielt. Ein „Aufenthalt“ im touristischen Sinn war es nicht, denn Methodius war den mächtigen Bistümern von Passau und Salzburg unbequem geworden. Er wollte in Mähren und in Pannonien (historischer Name einer westungarischen Region) missionieren und das in der dort verwendeten slawischen Landessprache. Die beiden Bistümer aber betrachteten den Osten als ihr Missionsgebiet, verurteilten Method in Regensburg und setzten ihn für drei Jahre fest, von 870 bis 873. Vermutlich in Ellwangen, aber auch bayerische Klöster oder die Reichenau sind als Gefängnis genannt worden. Dass der aus Thessaloniki stammende Method wieder frei kam, hatte er Papst Johannes VIII. zu verdanken, der wiederum eigene Pläne mit Mähren und Pannonien hatte.

Eine Blütezeit hatte Kloster Ellwangen, das 870/72 als Verbannungsort des Slavenapostels Methodius diente, in der Karolingerzeit mit ungewöhnlich großem Konvent (838: 160 Personen) …

LEO-BW, landeskundliches Informationssystem für Baden-Württemberg. Die falsche Schreibweise „Slavenapostel“ findet sich so auf der Webseite des LEO-BW.

Methodius und sein früh verstorbener Bruder Kyrillos (Konstantin) werden die Slawenapostel genannt, sind in der orthodoxen Kirche hochverehrt und Papst Johannes Paul II. 1980 zu Schutzpatronen Europas erhoben worden. Der Gegenspieler des Method war Ermenrich, ein damals sehr bekannter Würdenträger und Bischof in Passau, der auch mal Mönch in Ellwangen gewesen war. Seine Machtspielchen mit Method führten dann zu seiner Suspendierung, er schien das Rad überdreht zu haben. Methodius dagegen kehrte nach seiner Freilassung als Erzbischof nach Mähren zurück.

Bulgarische Christen verehren Methodius sehr, auf ihr Betreiben wurde Ellwangen zu einem kleinen Zentrum der Heiligenverehrung. Die Kapelle ist aus dem Jahr 1987, ausgebaut durch die Stadt und den bulgarischen Regierung und der bulgarischen orthododen Kirche. 2010 gründete der bulgarische Staat ein Südosteuropäisch-bulgarisches Kulturinstitut (Methodiuszentrum) in Ellwangen, in den Räumlichkeiten des Palais Adelmann.


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