Angst und Hoffnung

Dackel oder Harfe – ein Blick auf „Kirchenbewohner“

In Weingarten Basilika St. Martin und Oswald
In Weingarten Basilika St. Martin und Oswald

Figuren in Kirchen. Eine Auswahl von Fotografien der letzen Jahre

Engel mit bunten Flügeln hebt die Hand
Zafra (Spanien) – Iglesia de San Miguel Arcángel

Kirchen gehören zu meinen Lieblingszielen, wenn wir mal unterwegs sind. Warum das so ist, weiß ich nicht genau. Ganz profan bieten die Gotteshäuser im Sommer etwas Kühle, dazu ist es meistens still (vom Petersdom mal abgesehen). Man lässt sich auf die Ruhe ein, verlangsamt seine Schritte, will sich selbst in Einklang bringen mit der Atmosphäre dieser Bauten.

Der erste Eindruck ist immer ganz sinnlich: Die Kirche ist aber dunkel, kalt, sie ist hell und warm, sie wirkt erhaben, verschwenderisch oder asketisch. Dann beginnt der Versuch einer groben Stilkunde: die Größe der Fenster, Anzahl der Schiffe, der Chor, die Ausstattung. Dabei habe ich gelernt, dass kaum eine Kirche von Rang im Laufe der Jahrhunderte nicht nachgebessert, der Mode folgend umgebaut wurde. Oder Beschädigungen, durch Feuer oder Krieg, Wind und Wetter, machten Reparaturen nötig, die dann auf einen Stil einen neuen setzten.

Atemberaubene Ansichten von Kirchen findet Ihr auf den Seiten der FAZ „Himmelhoch“. Fotos und Texte von Klaus Dieter Bätz.

Der Blick auf das „Personal“

Figur im Kloster Zwiefalten
Figur im Kloster Zwiefalten

Engel finden sich natürlich in der Kirche, Heilige, die Heilige Familie, Jesus als Kind mit seiner Mutter Maria und Jesus am Kreuz – es finden sich unzählige figürliche Darstellungen in den Kirchen. Viele davon in erhabener Haltung, den Blick zum Himmel gerichtet, dort wo Gott thront. Manche aber auch in dienender Stellung, als Träger oder Schmuck einer Säule, des Altars, der Kanzel. Im unteren Bild hat sich einer der Erbauer, der Steinmetz und Künstler Adam Kraft dargestellt – als Diener seiner Kirche und seines Gottes.

Kuriose Bewohner in der Kirche

Je nach Alter der Kirche finden sich auch fantastische Gestalten in der Kirche. Ungeheuer, kleine Figuren mit Fratzengesichtern ebenso wie (besiegte) Dämonen der Unterwelt. Das Gute triumphiert, auch wenn man das heute in Kenntnis all der schlimmen Vorgänge in der Kirche nicht glauben mag. Die Sitze des Chorgestühls wurden im Mittelalter gern mit bildhaften Darstellungen von Obszönitäten, kleinen Monstern oder auch mit „normalen“ Gesichtern verziert.

Misericordien am Chorgestühl des Klosters Blaubeuren
Misericordien am Chorgestühl des Klosters Blaubeuren

Und wer es sich leisten konnte, ließ sich seinen „kleinen Liebling“ auf dem Sarkophag darstellen. Vielleicht soll der Dackel aber auch die Jagdleidenschaft des hier Begrabenen symbolisieren. Viel häufiger finden sich Symbole des Todes in den Kirchen, die für die High Society der früheren Jahrhunderte Grablege waren, wenn man sich zu Lebzeiten als großzügiger Stifter erwiesen hatte.

In meiner Kirche gibt es kein Gewölbe zwischen mir und dem Himmel

Jules Renard (1864 – 1910), französischer Roman- und Tagebuchautor

Die Gesichter des Kirchenpersonals verraten Angst, Schmerz, Freude und Hoffnung. Es ist hilfreich, etwas über den biografischen Hintergrund der Dargestellten zu wissen. Symbole helfen, den dargestellten Heiligen überhaupt zu erkennen. Und manches Mal gelingt es dem Bildhauer, dem Gesicht der Figuren solch ein Leben und ein Gefühl einzuhauchen, dass man von Zauberei sprechen kann. So ging es mir bei der strahlenden Mutter Gottes mit ihrem Kind in der Nürnberger Kirche. Die Maria Magdalena dagegen schaut das Kreuz an, als wüsste sie nicht, was sie damit anfangen soll. Gleich fällt es ihr achtlos zu Boden.

Die Fotos auf dieser Seite sind alle von mir. Ich freue mich, wenn sie Euch gefallen.

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