Überraschungen im Garten

Und da zeigte sich im „Rasen“ eine Orchidee – Entdeckungen, die Freude machen…

Orangerotes Habichtskraut
Orangerotes Habichtskraut

Ich bin groß geworden in Zeiten, da die Rasenkante Zeugnis ablegte darüber, ob eine Familie den Garten und damit das Leben im Griff hatte oder alles verlottern ließ. Der mit dem Spaten sauber definierte Übergang zur unbedeckten Beeterde wurde nach dem Mähen des Rasens mit der Kantenschere gestutzt. Eine gerade Linie trennte das Rasenviereck erkennbar vom Rest des Gartens. Für uns Kinder eine willkommende Abwechslung, wenn statt sinnlosen Herumtobens mal diese konzentrierte und sinnvolle Arbeit anstand. Achtung Ironie.

Heute, immer noch Kind, aber mit eigenem Miet-Garten, stellt sich die Frage nach der Rasenkante kaum noch. Obwohl, Kante zeigen macht auch Sinn. Wer erlebt, wenn sich das Gras wuchernd unter Stauden und Buschwerk ausbreitet und kaum zu entfernen ist und das Auge nach einer Orientierung verlangt, der denkt neu über dieses Thema nach. Die Fachmärkte jedenfalls bieten ein reichhaltiges Angebot an Grenzziehungen. Randsteine, Mähkanten und Beeteinfassungen, Rundstein und Palisade, Mähwinkel oder Rasenkante in Holz, Beton oder Metall gibt es zuhauf. Vom Buchs als natürlicher Grenze mal abgesehen.

Wer jedoch einen gewachsenen Garten übernimmt, der in gewisser Weise „von der Natur“ definiert ist, der muss erst einmal den Jahreslauf abwarten, um zu sehen, was da eigentlich alles wächst. In diesem Sinn haben wir unseren Rasenmäher vorsichtig über die Grünfläche bewegt und vor allem an den Rändern Milde walten lassen. Und dabei einige Überraschungen erlebt, die jetzt nicht sensationell sind, aber doch viel Freude bereiten.

Das orangerote Habichtskraut (wenn es denn eines ist, bei Habichtskräutern fällt die Unterscheidung sehr schwer) ist einfach eine Wonne, wenn man Orange mag. Unter der Blüte knubbeln sich viele weitere haarige Ansätze, so dass die Pflanze, die eher im Alpenraum ab 1000 Höhenmetern anzutreffen ist, ein rechter Dauerblüher ist. So sieht die Pflanze aus, wenn sie noch nicht vollständig erblüht ist. Einfach nur schön:

Habichtskraut mit Blüte
Orangerotes Habichtskraut

Mitten auf der Rasenfläche machte sich ein Kraut breit, das zu umfahren sich wirklich gelohnt hat. Denn am Ende entpuppten sich die weißen Blüten als Orchidee, keine besonders seltene aber allein der Name ist eine Wucht: Das Weiße Waldvögelein wurde auch von den Ameisen sofort geliebt, sind darauf doch viele süße Blattläuse zu finden.

Weißes Waldvögelein
Weißes Waldvögelein (Cephalanthera damasonium)

Ende Juni zeigte sich auch, dass das grüne Unbekannte in Terrassennähe keinesfalls Unkraut ist, sondern eine Pfirsichblättrige Glockenblume. Auch nicht selten, aber in ihrer Majestät doch sehr beeindruckend. Die Blüten leuchten, die Stängel trotzen in ihrer Biegsamkeit bisher jedem Gewitterwind.

Pfirsichblättrige Glockenblume
Pfirsichblättrige Glockenblume (Campanula persicifolia)

Und dann sind da noch zwei Gäste sehr gewöhnlicher Natur, die aber ihren eigenen Reiz haben. Der Wiesen-Pippau und die Nelkenwurz sind doch echte Hingucker geworden, gerade der Wiesen-Pippau zeigt in seinem Stilleben den ganzen Bogen von prächtiger Blüte bis hin zu zerfallender Schönheit.

Wiesen-Pippau
Wiesen-Pippau
Gewöhnliche Nelkenwurz
Gewöhnliche Nelkenwurz (Geum urbanum)
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