Grauenhaft aktuell

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Wilhelm Klemm

Buchhändler, Dichter und Mediziner, der 1914 an die westfront berufen wurde.

Er schrieb Gedichte über das Grauen des Weltkriegs, wurde berühmt und wurde vergessen…

„O Herr, vereinfache meine Worte.
Laß Kürze mein Geheimnis sein.
Gib mir die weise Verlangsamung.
Wieviel kann beschlossen sein in drei Silben!“ (Aufforderung, 1917)

Liest man die kurze Lebensbeschreibung von Wilhelm Klemm auf Wikipedia, so rang Wilhelm Klemm immer um die richtige Form, die Sprache in seinen Werken. Ursprünglich dem Espressionismus zugehörig, löste er sich später von dieser Richtung, fand aber keine neue Heimat mehr.

Interessant darüber hinaus ist sein Leben als Verleger und Kommissionsbuchhändler. Durch die Heirat mit einer Tochter des in Stuttgart geborenen Verlegers Alfred Kröner übernahm Klemm 1922 die Geschäftsführung des Verlags, der mittlerweile von Stuttgart nach Leipzig gezogen war und wurde unter dem Nationalsozialismus mit Berufsverbot belegt. Nach dem Ende des Kriegs zog Klemm mit einem Teil des Verlags zurück nach Stuttgart, laut Impressum ist die Familie auch heute noch im Verlag involviert, der sich bisher ohne großes Haus im Rücken behaupten kann. Der Verlagssitz in Stuttgart befindet sich in der Lenzhalde, einer Straße, die ich jahrelang mit dem Bus hoch zum Studium gefahren bin.

Wilhelm Klemm gründete 1937 die Buchreihe „Sammlung Dieterich“, insgesamt 428 philosophische, kulturgeschichtliche und literarische Werke sind dort versammelt. Die Reihe wurde an den Schünemann Verlag veräußert und in den frühen 90ern eingestellt. Klemm starb 1968 in Wiesbaden.