Morgenwonne

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"Ich bin so knallvergnügt erwacht" aus dem Gedicht "Morgenwonne" von Joachim Ringelnatz

Joachim Ringelnatz

Dichter

„Morgenwonne“ darf in keiner „Gute-Laune-Anthologie“ fehlen. Der Rhythmus und die Wortbilder lassen die Szenerie so lebendig wirken, dass es eine Wonne ist, das Gedicht zu lesen. Es erinnert manchen an ein lang vergessenes Lebensgefühl.

Der Unbeschwertheit früher Kindertage entspricht heute die heitere Gelassenheit des Alters. Man weiß, dass es schlimm kommen kann, hat manches erlebt, Erfahrungen gemacht und auch die eigenen Grenzen kennengelernt. All dies bildet den morastig fruchtbaren Grund des Lebens, aus dem eine gewisse Weisheit oder zumindest Abgeklärtheit entstehen kann. Natürlich lässt diese Haltung Raum für frohe Stunden, schöne Erlebnisse, manchmal auch für Augenblicke der Selbstvergessenheit – wenn man eine schöne Wanderung, einen Ausflug in eine spannende Stadt etc. genießt oder ein gutes Buch liest.

Aber Unbeschwertheit ist ein Privileg der Kindheit. Vielleicht gibt es manche „Alte“, die sich dies erhalten konnten. Anderen bleibt das Gedicht von Ringelnatz. Keines bringt diese ausgelassene tief gründende Lebenslust so zur Sprache wie die „Morgenwonne“. Das Stück wurde 1933 herausgegeben, als eines von „103 Gedichten“, die Asta Nielsen gewidmet waren. Es war das Jahr der Machtergreifung der Nazis, die den Dichter sofort mit Verboten schikanierten. Ein Jahr später starb er an der Tuberkulose. „Morgenwonne“ endet mit der Strophe:

Aus meiner tiefsten Seele zieht
Mit Nasenflügelbeben
Ein ungeheurer Appetit
Nach Frühstück und nach Leben.

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