Schneckenslalom

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Spanische Wegschnecke
Spanische Wegschnecke

Als Spaziergänger im Park sieht man sich zunehmend vor neue Herausforderungen gestellt. Radfahrer mit einem Mangel an Muße und Zeit sausen zwischen den Fußgängern hindurch wie einst Rosi Mittermaier durch den Slalomparcours. Während Slalomstangen aber keine Angst bekamen, wenn die Rosi auf sie zuraste, ist es bei den Fußgängern ganz anders. Ein Seitenwechsel ohne Schulterblick ist nicht mehr angeraten, nebeneinanderlaufen kaum mehr möglich.

Spanische Wegschnecke
Spanische Wegschnecke auf dem Weg von rechts nach links…

Mich hat immer interessiert, wie die Radraser die Situation erleben. Wie fühlt sich ein junger dynamischer Radfahrer, wenn ihm dauernd Fußgänger mit Minus-Reflexen und tumber Beharrlichkeit im Weg stehen? Das durfte ich jetzt in Analogie erleben, als ich morgens mit dem Rad durch den regenfeuchten Wald fuhr. Unübersehbar viele Schnecken kreuzten den Weg, die einen von links nach rechts, die anderen waren in umgekehrter Richtung unterwegs. Die schiere Sinnlosigkeit dieses Tuns ist für jeden schnellen Geradeausfahrer evident. Bleibt doch auf Eurer Seite, da steht ebenso viel Kraut wie auf der anderen, möchte man den schweigenden Schleimern zurufen. So ändert man seine Ansichten, je nachdem ob man einen Sattel unter dem Hintern hat oder nicht.

Es ist eine Herausforderung, die Spanischen Wegschnecken nicht plattzufahren, auch wenn sie rot-orange gefärbt sind wie lebende Warnwesten. Bei Geschwindigkeiten bis 15 km/h kann man ihnen ausweichen, bei 30 km/h ist das nicht mehr zuverlässig möglich.


Nahansicht einer Spanischen Wegschnecke

Die Spanische Wegschnecke

1969 soll die erste ihrer Art in Deutschland aufgetaucht sein, gegenüber von Basel. Seither verbreitet sie sich ungehemmt und gilt als „bedeutsamer Schädling“. Neuere Erkenntnisse dagegen zeigen, dass die Art mitnichten invasiv ist, sondern in Zentraleuropa daheim ist. In Spanien dagegen sei diese Schnecke kaum zu finden. Das Tier im Garten bringt den Gutmütigsten zur Raserei, in den Foren finden sich die vielfältigsten Tötungsarten, die nicht immer von feiner Art sind.


Die Erkenntnis bleibt, dass Radfahrer es auch nicht leicht haben, wenn sich Verkehrsteilnehmer mit unterschiedlicher Geschwindigkeit und Absicht den geringen Raum teilen müssen. Dass sich die Schnellen an die Langsamen anpassen, wo es geboten ist, scheint mental nicht zu klappen (Ausnahme: Kaufering, Bayern). Der Gedanke blitzt zwar im Hirn auf, erreicht aber nie die entsprechenden Muskeln. Dass Alte, Kinder und Hunde sich nicht wie Schienenfahrzeuge ausschließlich geradeaus bewegen, wenn sie zu Fuß unterwegs sind, leuchtet ein. Im Zweifel muss man die Parteien trennen. Ich denke dabei weniger an einen Schneckenzaun für Fußgänger als an mehr Wege exklusiv für Radler und andere für die Spaziergänger.


Eine Auswahl an Nachrichten der letzten Wochen (Suchmaschinen-Frage: Radfahrer Fußgänger, z.T. hinter der Bezahlschranke:

  • Vorfall in Stuttgart Radfahrer geht auf Fußgänger los und wirft ihn zu Boden (Stuttg. Zeitung)
  • Markdorf: Stresstest beim Latscheplatz? Wie Fußgänger, Radler und Autofahrer miteinander klar kommen (Südkurier)
  • Augsburg: Konflikte mit Radfahrern. Stadt will Fußgänger am Kuhsee besser schützen (Augsburger Allgemeine)
  • Stuttgart: Kampagne für mehr Verkehrssicherheit sorgt für Ärger – „Brandmarkt Radfahrer als rücksichtslose Menschen“ (Schwäbische Post)
  • Schwäbisch Gmünd: Höheres Tempo ein „Killereffekt“ (Schwäbische Post)

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