Architektur,Stuttgart

Streifzug durch Stuttgart

Häuser in der Urachstraße

Ich begebe mich auf ein mir unbekanntes Gebiet. Keinerlei Sachwissen trübt meine Empfindung, außer Schlagworten ist nichts vorhanden, was auf eine tiefere Beschäftigung mit dem Thema schließen lässt. Die Rede ist von der Architektur.

Früher war alles schöner, heute ist alles triste Fassade, ein Einerlei aus Glas und Beton, jetzt auch gern in Schwarz-Weiß. Nichts, woran das Auge ein Festhalten findet, ein raumgewordener Zweck, allenfalls ein protziger Hinweis auf Bedeutung und Finanzkraft. So könnte das Lamento lauten. Aber es stimmt natürlich in seiner Pauschalität nicht. Es gibt moderne Gebäude, die einen verzaubern. Wenn man in sie eintritt, wie z.B. das Innere der Stuttgarter Stadtbibliothek.

Historismus

Die Hausreihe oben im Bild findet sich in der Uracher Straße in Stuttgart, sie findet sich wohl auch in der Denkmalliste der Stuttgarter Gebäude, mit dem Vermerk „Adolf Eckert, Werkmeister“ und dem Schlagwort „Historismus“. Also handelt es sich um eine Nachahmung vergangener Baustile. Im Historismus unterscheidet man von Neo-Romanik bis zum Neo-Rokoko alle möglichen Unterarten. Für Stuttgart führt der Wikipedia-Artikel nur ein Bauwerk als typisch für diesen Stil an: Die Wilhelma.

Aber warum fasziniert mich dieser Baustil so vordergründig, dass ich stehen bleibe und mir die Fassaden ansehe? Ich glaube es ist die Vielzahl der Elemente, der Verzierungen, die das Auge von Punkt zu Punkt springen lässt. Es ist aber auch die warme Farbe des verwendeten Klinker und des roten und weißen Steins (Sandstein?), der mich für diese Architektur einnimmt.

Dieser Neubau dagegen, der neuen Stadtbibliothek vorgelagert, zwingt mich hinzuschauen. Freiwillig tue ich das nicht. Ja, die Anordnung der weißen vertikalen Fensterstreben ist nicht langweilig, da kommt ein Rhythmus auf. Aber mehr finde ich nicht. Schaut von der Haussmannstraße einmal auf das gegenüberliegende ehemalige Bahnhofsareal, das sich vom Bahnhof bis zum Einkaufszentrum Milaneo zieht. Es ist ein Graus für’s Auge.

Bürogebäude in Stuttgart

Aber vielleicht ist es hier wie in der Musik. Sie mag einem gefallen oder nicht, verstehen kann man sie erst, wenn man die Gesetzmäßigkeiten, den inneren Aufbau kennt. Bei der Musik und bei der Architektur kenn ich leider nur „Gefällt mir“ oder eben nicht.